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Stimmbildung

Wer sich, ob Laie oder Profi, näher mit Gesang beschäftigt, dem begegnet über kurz oder lang das Thema Stimmbildung – und das begleitet ihn dann in der Regel auch fortan.
Stimmbildung gibt es sowohl im Bereich der Sprecher- als auch im dem der Sängerausbildung. Bei Sprachfehlern oder Stimmschäden kommt die medizinisch-therapeutische Stimmbildung (z.B. Logopädie) zum Einsatz.

Sich selbst besser kennenlernen – Spüren und Hören weiter entwickeln

Es geht bei der Stimmbildung immer um technische Grundlagenarbeit, um verschiedenste Ziele zu erreichen: einen größeren Tonumfang, mehr Stimmvolumen, Modulation des Klanges. Da die gesunde Funktion der Stimme ein komplexes, fein abgestimmtes Zusammenspiel vieler verschiedener Parameter darstellt, haben sich über die Jahrhunderte unterschiedlichste Techniken und Methoden entwickelt, sich diesem Ziel zu nähern.

Zentral ist dabei die Körperarbeit: die Sensibilisierung für Körperhaltung, Körperspannung, für die Atmung, für Resonanzräume. Gefühl für Körperhaltung und Körperspannung bezieht sich dabei nicht nur auf äußere Bereiche, sondern auch auf innere wie z.B. dem Gaumen, dem Kiefer, der Zunge, den Schluckmuskeln, der Kehlkopfstellung, dem Zwerchfell oder dem Bauchbereich. Das Entwickeln einer Ton- und Klangvorstellung und der permanente Abgleich mit der eigenen Klangerzeugung und die erneute Anpassung einzelner Parameter gehört zum Lernprozess.

Neben der Körperwahrnehmung, dem Fühlen, gehört auch die Entwicklung des analytischen Hörens zu einem weiteren wesentlichen Lernfeld. Das analytische Hören unterstützt die Entwicklung der eigenen Ton- und Klangvorstellung und gewährleistet durch den fortwährenden Abgleich der eigenen Klangerzeugung und der Anpassung einzelner Parameter, sich dieser Ton- und Klangvorstellung weiter anzunähern. Dabei sind natürlich auch die Vorbilder, die man zur Hilfe nehmen kann, für das Ergebnis mit entscheidend: Lehrer, Aufnahmen, Konzertbesuche.

Wo komme ich stimmlich her? Wo möchte ich stimmlich hin?

Wie sich dabei die Ausgangssituation der Singenden darstellt und wie das gewünschte Ergebnis aussieht, fällt je nach Kulturkreis, nach Vorbildung der Singenden und der ausgewählten Musikstilistik und dem damit verbundenen Klangideal äußerst unterschiedlich aus. So gilt es in der Stimmbildung oft, anerzogene Blockaden in der Stimmfunktion zu lösen, die z.B. durch falsches Sprechen über Jahre entstanden sind. In unserem Kulturkreis haben die Sätze „Sei nicht so laut!“ oder „Sei leise!“ sicherlich einen guten Anteil an solchen Blockaden.

Desweiteren sind die Klangideale im klassischen Belcanto, im Musical oder in der Countrymusik, um nur einige beispielhaft zu nennen, völlig unterschiedlich und erfordern zum Teil gänzlich andere Modulationen der Stimme. Die Funktion der Stimme zu optimieren ist unzweifelhaft die Hauptaufgabe dessen, was wir unter Ausbildung der Stimme verstehen. Der Weg dieses Prozesses kann aber je nach Stilistik und den jeweiligen ästhetischen Vorstellungen sehr unterschiedlich ausfallen. Gerade das macht die Stimmbildung zu so einem spannenden Lernfeld.

Peter Reimer.