Nicht gegenderte Website

Aus Gründen des Stils, der Ästhetik, der Logik sowie der Sprachökonomie verwenden wir in unseren Texten keine “gendersensible Sprache”. Wir halten die “geschlechtergerechte Sprache” und das dahinter stehende ideologische Programm für ungeeignet, Gleichberechtigung und den Frieden zwischen den Geschlechtern zu fördern.

Zum Begriff: Sprachliches “Gendern” ist ein politisches Programm, das die Erstellung sogenannter “geschlechtergerechter” (oder: “geschlechtersensibler”) Texte zum Ziel hat. Dieses Programm folgt den Sprachvorgaben (1) und der Weltanschauung eines umfassenden Gleichstellungsprogrammes mit dem Namen Gender Mainstreaming.

Vorab:

Stichwort “Geschlechtergerechte Sprache”: Wenn über Diskrimierung gesprochen wird, ist es grundsätzlich richtig, auch Sprache näher zu betrachten und daraufhin zu untersuchen, ob sie diskrimierende Elemente enthält. Aus der Frauenbewegung sind zweifellos wertvolle Impulse hervorgegangen, die dazu beitragen, Frauen in der Sprache heute angemessener zu repräsentieren als dies früher der Fall war. Unserer Auffassung nach schießen aber viele dieser sprachkritischen Anregungen und mittlerweile auch amtlich eingeführten Sprachmodifikationen weit über das Ziel hinaus, bzw. beruhen sie auf falschen Prämissen. Nicht zuletzt beruhen sie auf einer Ideologie, die sehr kritisch zu sehen ist.

1) Feministische Linguistik – der Mythos von der “unsichtbaren Frau”

Gendern als Spracherziehungsprogramm wurde in seinen theoretischen Grundzügen und praktischen Techniken von der sog. Feministischen Linguistik entwickelt. Viele Prämissen dieser Disziplin halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Insbesondere die zentrale These, dass Frauen in konventionell formulierten Texten gleichsam „unsichtbar“ seien und daher Maßnahmen ergriffen werden müssten, um die “mentale Repräsentanz” – also die “Sichtbarkeit” von Frauen in Texten durch Sprachveränderung zu erhöhen, ist bislang durch keine Studie stichhaltig belegt.(2) Diese These besagt, dass das Vokabular des Deutschen gleichsam patriarchalisch imprägniert sei. Anders gesagt: das Deutsche ist eine Männerspräche und somit ein Instrument, mit dem die Männer ihre Macht zementieren. Daher müsse die Sprache verändert werden.

2) Ästhetik und Sprachökonomie

Gendern ist ebenso unschön wie umständlich. Unschön, weil es zur unnötigen Aufblähung von Texten führt und damit einen klaren, prägnanten Stil verhindert. Umständlich, da es Lesbarkeit und Verständlichkeit von Texten oft in starkem Maße reduziert.

Nehmen wir den Satz:
“Ein Arzt sollte seinen Patienten zuhören”.
Die korrekte Gender-Variante würde lauten:
“Ein/e Arzt/Ärztin sollte seinen/ihren Patienten und Patientinnen zuhören”.

Der zweite Satz ist länger, schwerer lesbar und enthält keinerlei zusätzliche Informationen außer dem Hinweis, dass Ärzte und Patienten sowohl männlich als auch weiblich sein können. Eine durchgängige separate Nennung von weiblichen und männlichen Pluralformen lehnen wir aus sprachästhetischen und sprachökonomischen Gründen ab und weil aus dem „Splitting“ kein wirklicher semantischer Mehrgewinn resultiert. Und: Vorlesen/Sprechen kann man solche Konstrukte schonmal garnicht!

3) “Sichtbarmachung” – eine unnötige Sexualisierung der Sprache

Gendern betreibt eine ebenso aufdringliche wie überflüssige Sexualisierung der Sprache. Es ist unnötig und trivial, auf die Tatsache hinzuweisen, dass viele Gruppen (“Wähler und Wählerinnen”, “Schwimmer und Schwimmerinnen”) aus Männern und Frauen zusammengesetzt sind. Die unnötige Sexualisierung der Sprache lenkt oft von den zentralen Inhalten ab (“Ein Arzt sollte seinen Patienten zuhören”). Zudem stresst der Zwang zur Dauer-Sexualisierung Autoren, die sich ständig fragen müssen, ob sie denn auch gründlich genug darauf hingewiesen haben, dass sich Gruppe XY aus Männern und Frauen zusammensetzt.

Dem Geschlechtlichen wird beim Gendern eine Bedeutung beigemessen, die ihm nicht zukommt. Die Gruppe der Wähler etwa ist dadurch gekennzeichnet, dass Menschen ein Wahlrecht wahrnehmen. Dies tun sie unabhängig von ihrem Geschlecht.
Das Gegenstück zur krampfhaften Sexualisierung in der geschlechtergerechten Sprache ist die Vermeidung jedweder geschlechtlichen Markierung durch blasse Neuschöpfungen wie „Lehrerschaft“ (statt Lehrer), „Studierende“ (statt Studenten), „Lernende“ (statt Schüler“), „Interessierte“ (statt Interessenten). Hier sei der Hinweis erlaubt, dass ein Student eigentlich nur dann “Studierender” ist, solange er sich unmittelbar dem Studium widmet, weshalb es folglich einen “demonstrierenden Studierenden” streggenommen nicht geben kann.

4) Gleichsetzung von “Genus” und “Sexus”

Der gedankliche Kardinalfehler des Genderns besteht in der Gleichsetzung von “Genus” und “Sexus”, also dem grammatikalischen Geschlecht und dem biologischen (3). In seinem Bemühen um die Abschaffung des “generischen Maskulinums” fügt Gendersprech unserer Sprache einen beträchtlichen Schaden zu.
Ein Satz wie “Unter unseren Dozenten gibt es viele Frauen” lässt sich ohne generisches Maskulinum (“Dozenten”) überhaupt nicht formulieren. Denn diese Form schließt Frauen UND Männer ein. Der Satz “Unter unseren Dozenten und Dozentinnen gibt es viele Frauen” ist a) falsch, denn unter Männern kann es keine Frauen geben und b) tautologisch, denn dass Dozentinnen Frauen sind, sollte klar sein. (4) Wir haben uns entschlossen, auf die separate Aufführung der weiblichen Form (Dozenten und Dozentinnen) zu verzichten, da die Form „Dozenten“ (“Generisches Maskulinum“) sowohl weibliche als auch männliche Dozenten mit einschließt. Beide Geschlechter sind „mit-gemeint“, Männer ebenso wie Frauen, keines wird also diskriminiert. Die Formulierung „Dozenten und Dozentinnen“ unterstellt hingegen in Missachtung geltender Sprachregeln, dass die Pluralform „Dozenten“ nur für Männer stünde. (5)

5) Deutungshoheit und Besitzansprüche – Wem gehört eigentlich unsere Sprache?

Sprache ist das gemeinsame Gut einer Sprachgemeinschaft. Ein Besitzrecht kann hier niemand geltend machen – keiner hat Verfügungsgewalt über Sprache. Beim Gender-Sprech geschieht jedoch genau dies: Eine kleine Gruppe maßt sich sprachliche Deutungshoheit an und verfügt damit über etwas, das eigentlich allen gehört. Es wird hoheitlich bestimmt, was als sprachliche Diskrimierung zu betrachten sei und das auch, wenn eine faktische Diskriminierung überhaupt nicht vorliegt. Auf diese Weise wird eine „gefühlte Diskriminierung“ kurzerhand zu einer faktischen erklärt. Und Formen wie „die Studenten“, „die Ärzte“, „die Schüler“ als Ausdruck männlicher Dominanz gebrandmarkt, auch wenn es diejenigen, die diese Wörter verwenden, keine Diskriminierung im Sinn haben. Hätte die Sprachgemeinschaft da nicht ein Wort mitzureden, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes? Die wird aber garnicht gefragt. Das ist im Konzept des Gender Mainstreamings, das eine „Top-Down-Strategie“ verfolgt, nicht vorgesehen.

6) Ideologie statt Wissenschaft

Gendern ist ein ideologisch motiviertes Spracherziehungsprogramm, das keinerlei demokratische Legitimierung vorweisen kann, sondern den Menschen ungefragt von oben aufgezwungen wird. Und dies auf der Basis von Pseudowissenschaften (Feministische Linguistik/Gender Studies). Einen wirklich demokratischen Diskurs über dieses Thema im Rahmen einer größeren Öffentlichkeit hat es nie gegeben. Üblicherweise passt sich Sprache veränderten Lebensbedingungen an und reflektiert sie. Im Falle des Genderns soll jedoch das Bewusstsein über einen Eingriff in die Sprache verändert werden. Wir halten es für mehr als fraglich, ob die Gleichberechtigung der Frau mit Instrumenten, die wir aus totalitären Regimes oder aus Romanen wie “1984” (Neu-Sprech) kennen, installiert werden kann.

Vielleicht wird es ja der ganzen Genderei eines Tages so ergehen wie dem Regenten in dem Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. „Er ist ja nackt!“, ruft ein Kind am Ende der Geschichte aus – und der Spuk hat ein Ende. In Norwegen ist es dem Gender-Mainstreaming bereits in ähnlicher Form an den Kragen gegangen. Der Komiker Harald Eia hat mit einer aufklärerischen Fernsehreihe dafür gesorgt, dass dort das Gender-Mainstreaming-Institut 2011 geschlossen wurde.

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1) So untersagt etwa die Stadt Kiel seit 2003 ihren Mitarbeitern grundsätzlich, in öffentlichen Verlautbarungen das „generische Maskulimum“ und damit Formen wie „Ärzte“, „Wähler“, „Bürger“, „Patienten“ oder „Schüler“ zu verwenden.

2) “In Wirklichkeit stellt die maskuline Form (…) in der Regel eine neutrale , vom Geschlecht der betreffenden Person absehende Bezeichnung dar.” Aus: Tomas Kubelik: Genug gegendert. Halle 2013. S. 60.

3) “Genus ist ein sprachliches Faktum, eine grammatische Eigenschaft von Substantiven, und zwar gleichgültig, ob sie Lebewesen oder Unbelebtes bezeichnen. Sexus ist eine biologische Eigenschaft von bestimmten Lebewesen”. Miorita Ulrich: 'Neutrale Männer' – 'markierte Frauen'. Feminismus und Sprachwissenschaft. In: Sprache – Genus/Sexus. Frankfurt am Main 1997. S. 310.

4) Selbst die Gleichstellungsbeauftragte der Uni Köln Dr. Heidrun Fußwinkel schreibt in ihrem Leitfaden “Geschlechtergerechte Sprache” aus dem Jahr 2009: “Es gibt jedoch Ausnahmefälle, in denen das generische Maskulinum in Betracht kommt. In folgenden Beispielen behält es seine Gültigkeit, da es die einzige Möglichkeit ist, eine Aussage semantisch richtig zu Ende zu führen: „Mädchen sind die besseren Schüler.“ „Bei uns ist der Kunde noch König.“ Was Fußwinkel hier als “Ausnahmefälle” bezeichnet, ist die vornehmste Aufgabe des generischen Maskulinums: das geschlechtsneutrale Formulieren. Diese Aufgabe leistet das generische Maskulinum grundsätzlich & vorzüglich und nicht nur im Ghetto sogenannter “Ausnahmefälle”. http://www.fh-dortmund.de/de/hs/orgGrem/beauftr/gb/medien/GeschlechterfaireSprache.pdf. Es ist interessant, dass dieser Hinweis in der Neu-Ausgabe des Leitfadens aus dem Jahr 2013 gänzlich fehlt. Die Autorinnen möchten anscheinend auch nicht ein gutes Haar am generischen Maskulinum lassen. Dafür heißt es in der neuen Version unverhohlen: “Der ausschließliche Gebrauch der männlichen Form und das praktisch gedachte, aber wirkungslose „Mitmeinen“ von Frauen sind also gesetzlich verboten.” Sorry, meine Damen, aber diese Maulkorb-Politik ist Sprach-Totalitarismus.

5) “Die deutsche Sprache macht also dort, wo es notwendig ist, die Frauen in höherem Maße sichtbar als Männer. Denn sie hält im Unterschied zu Männern für Frauen eine eigene grammatikalische Form bereit.” Kubelik. S. 64. Feministische Sprachreformerinnen beklagen sich, dass beim Generischen Maskulinum Frauen immer nur “mitgemeint” seien. Es liegt jedoch in der Natur der Sache, dass der einzelne, sobald eine Gruppe als Ganzes angesprochen wird, immer nur “mitgemeint” sein kann – und gilt für die Männer ebenso wie für Frauen.

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