Von Salzstreuern und Salzstreuerinnen

Wir benutzen auf dieser Website keine sog. “geschlechtergerechte Sprache”, weil wir sie für wenig praktikabel, unschön und in ihrem Anspruch auf moralische Deutungsmacht anmaßend halten.

Umständlichkeit: Die grassierende Beidnennung (Bürger und Bürgerinnen, Wähler und Wählerinnen, Schüler und Schülerinnen, Soldaten und Soldatinnen) nervt und bläht Texte unnötig auf. Müssen wir auf Schritt und Tritt daran erinnert werden, dass es den Menschen in weiblicher und männlicher Ausfertigung gibt? Die Beidnennungs-Marotte führt nicht nur zu Problemen bei der Texterstellung sondern auch zunehmend zu sprachlicher Verwirrung. 1)

Ästhetik: Die “geschlechtergerechte Sprache” ist unschön und tut der Sprache Gewalt an. Der Germanist und Romanist Roland Kaehlbrandt führt denn auch nicht zuletzt ästhetische Argumente gegen das “Gerechtigkeitsdeutsch” an und konstatiert Künstlichkeit und den Verlust von Sprachschönheit: “Die sprachlichen Verrenkungen, die aus dem akademischen Milieu in die Öffentlichkeit gelangen, zeugen zwar von Engagement für die Sache, aber leider auch von Weltfremdheit und mangelndem Sprachgefühl.” 2) 3)

Moralischer Zeigefinger: Der Begriff „geschlechtergerechte Sprache“ ist per se problematisch. Hier nimmt jemand für sich in Anspruch, “gerecht” zu sprechen und klassifiziert damit jede hiervon abweichende Sprachpraxis als Unrecht. Das ist anmaßend. Der Elan und die Intoleranz mit denen dieses sprachliche Erziehungs-Programm seit vielen Jahren vorangetrieben wird, erinnern an die Selbstgerechtigkeit religiöser Eiferer. Bei solchen ideologisch getriebenen Zeitgenossen gibt es immer nur eine einzige Gerechtigkeit, und zwar die eigene. Für Roland Kaehlbrandt ist die geschlechtergerechte Sprache Produkt einer “Bevormundungsgesellschaft”, deren Akteure mit “übertriebener Selbstgewissheit“ ihre sprachpolitische Agenda verfolgten und hierbei eine Art “Moraldeutsch” ins Leben gerufen hätten.

Die Diskriminierung von Frauen durch die grammatikalische Form des generischen Maskulinums („die Studenten“) ist ein seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts liebevoll gehätschelter Popanz. Die vom Grundgesetz garantierte Gleichberechtigung erkämpft man nicht, indem man mit ideologischem Umerziehungseifer derart in die Sprache eingreift. Es ist frommes Wunschdenken zu glauben, man könne durch solche Sprachverrenkungen das Bewusstsein ändern. Eher schafft man Widerstand gegen das berechtigte Anliegen der Gleichberechtigung. Und leistet unfreiwillig einen Beitrag zum Gedeihen rechtspopulistischer Bewegungen. Jedwede Kritik an gegendertem Deutsch wird von seinen Befürwortern in die rechte Ecke gestellt – eine an Infamie nicht zu überbietende Abwehrtstrategie.

Letzten Endes ist unsere Entscheidung gegen “geschlechtergerechte” Sprache das Ergebnis einer Güterabwägung, bei der Praktikabilität und Sprachschönheit der Vorrang vor politischer Korrektheit gegeben werden. Wir bitten um Toleranz. Und als Menschen mit abweichender Sprachpraxis um Nicht-Diskriminierung.

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1) Hessens Finanzminister Thomas Schäfer sorgte im Juni 2015 im hessischen Landtag für Heiterkeit, als er von «kreisangehörigen Gemeindinnen und Gemeinden» sprach. Quelle. Ja und googeln Sie mal nach „Mitglieder und Mitgliederinnen“ (die es natürlich nicht gibt, da das Mitglied sächlich ist).

2) Von Max Goldt stammt dazu das folgende Zitat: „Wie lächerlich der Begriff Studierende ist, wird deutlich, wenn man ihn mit einem Partizip Präsens verbindet. Man kann nicht sagen: In der Kneipe sitzen biertrinkende Studierende. Oder nach einem Massaker an einer Universität: Die Bevölkerung beweint die sterbenden Studierenden. Niemand kann gleichzeitig sterben und studieren.“

3) Roland Kaehlbrandt: Logbuch Deutsch. Wie wir sprechen, wie wir schreiben. Klostermann, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-465-04255-6, S. 115–128.

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